Es
ist sechs Uhr an einem kühlen Morgen im herbstlichen Hamburg als der Wecker
klingelt. Ich bin schon lang genug wach, um das Gepiepes mit einem gezielten
Griff in Richtung Wecker verstummen zulassen, da war die Aufregung wohl doch
größer als gedacht. Die paar im Hotelzimmer verstreuten Sachen sind schnell im
Rucksack verstaut, den großen Koffer habe ich schon am Vorabend am Flughaben
aufgegeben. Nach einem kurzen Fußweg vom Hotel zum Flughafen ist auch die
Sicherheitskontrolle schnell passiert, alles läuft nach Plan, bestens.
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| Zimmer im Flughafenhotel: Modern eingerichtet incl. allem Notwendigem, sogar mit Granit-Badezimmer und Regendusche. |
Als
erstes geht es auf den, laut dem Piloten der kleinen Turboprop Maschine als
„Langstreckenflug“ deklarierten, Trip von Hamburg nach Düsseldorf. In
Düsseldorf angekommen, das außerhalb des Karnevals wohl das ganze Jahr recht
trostlos aussieht, geht es nach zwei Stunden dann zum Glück auch schon weiter.
Diesmal hat der Flug tatsächlich das Prädikat Langstecke verdient, es geht mit
ETIHAD Airways nach Abu Dhabi. Der Flug ist nur zu ca. einem Drittel
ausgebucht, somit kann ich auch den Platz neben mir als Ablage und erweiterten
Fußfreitraum nutzen. Manch ein älterer Herr ist gar nicht zimperlich und legt
sich gleich auf der gesamten Mittelreihe schlafen. Das Bordessen schmeckt
unerwartet gut, wie auch insgesamt der Service keine Wünsche offen lässt. In
Abu Dhabi angekommen, wird es dann das erste Mal etwas hektischer. Der
Flughafen ist nur zur Hälfte fertiggestellt, trotzdem versuchen sich Personal
und Passagiere ihren Weg von Gate zu Gate zu bahnen. Wenn es gewollt ist lassen sich unvollendete Flughäfen also doch betreiben. Im Shuttlebus gibt ein
flugerfahrener Passagier zwei Abiturienten, die auf dem Weg nach Australien
sind, noch letzte Ratschläge wie sie sich durch die Menschenmassen der Terminals schlagen müssen, dann beginnt der Sprint, zumindest ich schaffe es
noch rechtzeitig zu meinem Gate. Auf dem vollständig ausgebuchten Flug nach
Peking kann ich dann erst mal etwas runter kommen und sogar zwei drei Stunden
schlafen. Gelandet in der chinesischen Megacity, leert sich das Flugzeug wieder
etwas. Ich kann im Flugzeug sitzen bleiben, nach einer Stunde geht es weiter in
Richtung Zielort: Nagoya. Bis hierhin war der Flug so sanft, dass es sich auch
um eine Zugfahrt hätte handeln können. Dann, pünktlich als wir vom
südkoreanischen Luftraum in den japanischen wechseln, setzten stärkere
Turbolenzen ein, Godzilla lässt grüßen. Kurz vor Nagoya beruhigt sich alles
wieder etwas und der Pilot setzt zu einer präzisen Landung an. Diese ist beim
Chubu Centrair Airport auch notwendig. Der Flughafen befindet sich auf einer
künstlich angelegten Insel in der Bucht vor Nagoya, somit fällt die Landebahn
etwas kürzer aus als üblich.
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| Sonnenuntergang über dem Persischen Golf |
Kurz
vor der Ziellinie wird die Zeit dann doch nochmal knapp, das Warten an der Passkontrolle
zieht sich unerwartet in die Länge. Ich schaffe es noch gerade in den letzten
Zug einzusteigen, für den mir mein Ausdruck von Google Maps verspricht rechtzeitig
zum Einchecken am Wohnheim anzukommen. Einziges Problem: Der Ausdruck ist auf
Deutsch und die Zugbeschilderung auf Japanisch, welches in seinem Schwierigkeitsgrad
meine Kenntnisse übersteigt. Also frage ich notgedrungen eine Passagierin neben
mir, an welcher Station ich denn in die U-Bahn umsteigen müsste. Zu meiner
Überraschung Antwortet sie in perfektem Englisch, mit dessen Hilfe sie mir aber
auch mitteilt, dass sie ebenfalls nicht aus Japan kommt und sich noch nicht allzu
gut mit dem Schienennetz auskennt. Daraufhin fragt sie nun auf Japanisch eine
weitere Mitfahrerin nach der gesuchten Station und übersetzt für mich zurück.
Der Umsteigepunkt ist gefunden, es ist jene Station an der auch die anderen
beiden aussteigen müssen. Ich bedanke mich und frage noch kurz in welche
Richtung ich zu den Ticketautomaten laufen muss, woraufhin es sich die zwei
wieder nicht nehmen lassen, mich zum Ticketschalter zu begleiten und mit mir
die Fahrkarte zu lösen (Merke: In Japan erst das Geld einwerfen dann auf das
gewünschte Ziel drücken). Abermals verabschiede ich mich doch die junge Japanerin
unter den beiden besteht darauf, mich auch noch zum richtigen Bahngleis zu
bringen. Dass Japaner in der Welt als äußerst hilfsbereit gelten war mir zuvor
durchaus bewusst, aber dass diese Hilfsbereitschaft soweit reichen würde hat
mich doch etwas verblüfft. Erst seit einer Stunde in Japan und schon gleich
zwei äußerst nette Menschen kennengelernt. Schließlich komm ich dann
punktgenau um 17 Uhr im Wohnheim HIGASHIYAMA auf dem Campus der Nagoya
University an, wie die Welt es von einem Deutschen wahrscheinlich auch erwartet
hätte.
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