Sonntag, 4. Oktober 2015

Abflug

Es ist sechs Uhr an einem kühlen Morgen im herbstlichen Hamburg als der Wecker klingelt. Ich bin schon lang genug wach, um das Gepiepes mit einem gezielten Griff in Richtung Wecker verstummen zulassen, da war die Aufregung wohl doch größer als gedacht. Die paar im Hotelzimmer verstreuten Sachen sind schnell im Rucksack verstaut, den großen Koffer habe ich schon am Vorabend am Flughaben aufgegeben. Nach einem kurzen Fußweg vom Hotel zum Flughafen ist auch die Sicherheitskontrolle schnell passiert, alles läuft nach Plan, bestens.


Zimmer im Flughafenhotel: Modern eingerichtet incl. allem Notwendigem, sogar mit Granit-Badezimmer und Regendusche.
Als erstes geht es auf den, laut dem Piloten der kleinen Turboprop Maschine als „Langstreckenflug“ deklarierten, Trip von Hamburg nach Düsseldorf. In Düsseldorf angekommen, das außerhalb des Karnevals wohl das ganze Jahr recht trostlos aussieht, geht es nach zwei Stunden dann zum Glück auch schon weiter. Diesmal hat der Flug tatsächlich das Prädikat Langstecke verdient, es geht mit ETIHAD Airways nach Abu Dhabi. Der Flug ist nur zu ca. einem Drittel ausgebucht, somit kann ich auch den Platz neben mir als Ablage und erweiterten Fußfreitraum nutzen. Manch ein älterer Herr ist gar nicht zimperlich und legt sich gleich auf der gesamten Mittelreihe schlafen. Das Bordessen schmeckt unerwartet gut, wie auch insgesamt der Service keine Wünsche offen lässt. In Abu Dhabi angekommen, wird es dann das erste Mal etwas hektischer. Der Flughafen ist nur zur Hälfte fertiggestellt, trotzdem versuchen sich Personal und Passagiere ihren Weg von Gate zu Gate zu bahnen. Wenn es gewollt ist lassen sich unvollendete Flughäfen also doch betreiben. Im Shuttlebus gibt ein flugerfahrener Passagier zwei Abiturienten, die auf dem Weg nach Australien sind, noch letzte Ratschläge wie sie sich durch die Menschenmassen der Terminals schlagen müssen, dann beginnt der Sprint, zumindest ich schaffe es noch rechtzeitig zu meinem Gate. Auf dem vollständig ausgebuchten Flug nach Peking kann ich dann erst mal etwas runter kommen und sogar zwei drei Stunden schlafen. Gelandet in der chinesischen Megacity, leert sich das Flugzeug wieder etwas. Ich kann im Flugzeug sitzen bleiben, nach einer Stunde geht es weiter in Richtung Zielort: Nagoya. Bis hierhin war der Flug so sanft, dass es sich auch um eine Zugfahrt hätte handeln können. Dann, pünktlich als wir vom südkoreanischen Luftraum in den japanischen wechseln, setzten stärkere Turbolenzen ein, Godzilla lässt grüßen. Kurz vor Nagoya beruhigt sich alles wieder etwas und der Pilot setzt zu einer präzisen Landung an. Diese ist beim Chubu Centrair Airport auch notwendig. Der Flughafen befindet sich auf einer künstlich angelegten Insel in der Bucht vor Nagoya, somit fällt die Landebahn etwas kürzer aus als üblich.

Sonnenuntergang über dem Persischen Golf
Kurz vor der Ziellinie wird die Zeit dann doch nochmal knapp, das Warten an der Passkontrolle zieht sich unerwartet in die Länge. Ich schaffe es noch gerade in den letzten Zug einzusteigen, für den mir mein Ausdruck von Google Maps verspricht rechtzeitig zum Einchecken am Wohnheim anzukommen. Einziges Problem: Der Ausdruck ist auf Deutsch und die Zugbeschilderung auf Japanisch, welches in seinem Schwierigkeitsgrad meine Kenntnisse übersteigt. Also frage ich notgedrungen eine Passagierin neben mir, an welcher Station ich denn in die U-Bahn umsteigen müsste. Zu meiner Überraschung Antwortet sie in perfektem Englisch, mit dessen Hilfe sie mir aber auch mitteilt, dass sie ebenfalls nicht aus Japan kommt und sich noch nicht allzu gut mit dem Schienennetz auskennt. Daraufhin fragt sie nun auf Japanisch eine weitere Mitfahrerin nach der gesuchten Station und übersetzt für mich zurück. Der Umsteigepunkt ist gefunden, es ist jene Station an der auch die anderen beiden aussteigen müssen. Ich bedanke mich und frage noch kurz in welche Richtung ich zu den Ticketautomaten laufen muss, woraufhin es sich die zwei wieder nicht nehmen lassen, mich zum Ticketschalter zu begleiten und mit mir die Fahrkarte zu lösen (Merke: In Japan erst das Geld einwerfen dann auf das gewünschte Ziel drücken). Abermals verabschiede ich mich doch die junge Japanerin unter den beiden besteht darauf, mich auch noch zum richtigen Bahngleis zu bringen. Dass Japaner in der Welt als äußerst hilfsbereit gelten war mir zuvor durchaus bewusst, aber dass diese Hilfsbereitschaft soweit reichen würde hat mich doch etwas verblüfft. Erst seit einer Stunde in Japan und schon gleich zwei äußerst nette Menschen kennengelernt. Schließlich komm ich dann punktgenau um 17 Uhr im Wohnheim HIGASHIYAMA auf dem Campus der Nagoya University an, wie die Welt es von einem Deutschen wahrscheinlich auch erwartet hätte.



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen