Am Abend geht es dann noch zwecks Gruppenzwangs zum Karaoke, welchem ich als Norddeutscher doch eher mit Zurückhaltung begegne. Meine Erwartungen lassen sich dann auch schnell bestätigen. Ohne Minimum fünf Bier kann ich dem wohl nichts abgewinnen und da die Bierpreise aufgrund der japanischen Biersteuer schon im Supermarkt fast an die einer günstigen deutschen Studentenkneipe herankommen, erreiche ich diesen Grenzwert an jenem Abend nicht mehr. Zusammen mit Daniel, welcher wohlbemerkt aus Süddeutschland kommt (mir aber bei dem genannten Grenzwert zustimmt), mache ich mich dann nach zwei Stunden auch schon auf dem Heimweg, Kräfte sparen für den nächsten Tag.
Der frühe Abgang hat sich bezahlt gemacht, das Wetter für diesen Sonntag ist bestens vorhergesagt und wie Daniel und ich erfahren, haben die anderen auch nochmal nüchterne drei Stunden in der Karaokebar hintendran gehängt. Der Plan ist, unsere Rückkehr in den Sommer zu nutzen und an den Strand zu fahren. Dieser befindet sich etwas außerhalb Nagoyas, sodass wir nach der U-Bahn noch den Zug nehmen müssen. Beim Fahrkartenkauf zeigt sich dann ein Verhalten des Fahrkartenverkäufers, das ich noch bei einigen anderen Japanern wiederfinden werde. Zunächst frage ich auf Japanisch, ob er auch Englisch spricht, welches sofort mit einem durch Überkreuzen der Unterarme untermalten „Nein“ beantwortet wird. Also versuche ich, mit meinem Japanisch auf Kindergartenniveau auszudrücken, wo wir denn gerne hinfahren wollen. Der Verkäufer versteht und fragt dann aber auch gleich „Do you pay together?“ in durchweg akzeptablem Englisch. Merke: Erst zeigen, wie schlecht das eigene Japanisch ist, dann schämt sich der Japaner auch für sein Englisch nicht mehr so sehr (was er ja eigentlich gar nicht müsste). Angekommen in Utsumi, einem kleinen Dorf an der Spitze der Bucht von Nagoya, schlagen wir dann gleich den direkten Weg zum Strand ein. Auffällig dabei ist, dass das Dorf nahezu leer ist, nur vereinzelt kommen uns ältere Japaner entgegen. Einen 7-Eleven gibt es aber trotzdem, bei dem sich noch schnell etwas zu essen für den Strand bekommen lässt. Auch als wir den Strand erreichen, sind noch immer keine Menschenmassen in Sicht, nur einige Dutzend Stand-Up-Paddler und Surfer sind im Wasser. Dabei sind es mindestens 25 Grad in der prallen Mittagssonne. Wir lassen uns nicht beirren und gehen gleich ins Wasser, welches mit geschätzten 23°C sogar äußerst warm ist. Später frage ich an der Uni noch einige Japaner, warum es denn am Strand so leer war. Schulterzuckende Antwort: Es sei halt nicht mehr Strandsaison, mit 25 Grad Lufttemperatur sei es ja schon wieder etwas kälter. Dann bleit halt mehr Platz für die Nordeuropäer.








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