Donnerstag, 22. Oktober 2015

Im Japanischem Gourmet-Himmel


Bis jetzt habe ich mich nur durch die durchschnittliche japanische Küche probieren können. Etwas Sushi vom Konbini, welches allerdings schon so gut wie im deutschen Sushi-Restaurant schmeckt, ein wenig Tonkatsu (japanisches Schnitzel) und Nudelsuppen aus der Mensa gab es schon. An diesem Mittwoch bin ich jedoch zu einer Welcome-Party von meinem Labor in einem japanischen Restaurant eingeladen. Denn alle Austauschstudenten bekommen einen Professor und einen Studenten aus einem der Labore des entsprechenden Fachbereiches als Ansprechperson zugewiesen. In meinem Fall ist dies das Labor von Professor Katayama, welches primär an Visible Light Communication und kabellosen Sensornetzwerken forscht, also auch nicht unbedingt Themen, mit denen ich mich bisher beschäftigt hätte. Ich treffe mich im Labor mit den Studenten, inklusive meines Tutors Masayuki, und wir ziehen gemeinsam mit gut zehn Leuten eine U-Bahn-Station weiter zu einem kleinen unscheinbaren Restaurant im Kellergeschoss, in dem auch der letztjährige Physiknobelpreisträger und Professor an der Universität Nagoya Hiroschi Amano regelmäßig einkehren soll. 
Dort warten schon zwei Professoren auf uns, Professor Katayama ist nicht unter ihnen. Wie ich später erfahre, haben die anderen „vergessen“ ihn einzuladen. Auch unter japanischen Professoren soll es Meinungsverschiedenheiten geben. Die Professoren Yamazato und Okada haben schon für alle bestellt. Es gibt quasi ein japanisches Sieben-Gänge-Menü, begonnen wird mit etwas rohem Fisch auf Kresse und Gemüsezwiebeln, leckerer als gedacht. Nachfolgend steigert sich der Küchenchef von Bratspießen über Gemüse-Nudel-Suppe bis hin zu frittierten Hähnchen. Das eine besser als das andere, alles unglaublich lecker! Auch mit Blick auf das Essen in Deutschland ist es das Beste, was ich seit langem hatte (Sorry, Mama). Zu Trinken gibt es natürlich auch genug, neben dem auch in Japan obligatorischen Bier, bekomme ich von den Professoren einige japanische Spezialitäten ausgegeben. Zum Beispiel Shōchū, welcher auch als japanischer Wodka bezeichnet wird, allerdings nur um die 20 Vol. % besitzt und neben Gerste auch aus Reis und Süßkartoffeln gewonnen wird. Getrunken wird dieser pur auf Eis und erinnert im Geschmack ein wenig an Whiskey, sehr zu empfehlen. Aber nicht nur durch den Alkohol ist die Stimmung sehr gelockert. Ein weiterer Grund ist, dass die japanischen Studenten sich zum Beginn ihres Masterstudiums für ein Labor entscheiden müssen und dann auch nur noch Vorlesungen von dessen Professoren hören können. Somit sitzen die Studenten aber auch mindestens 40 Stunden in der Woche zusammen im Büro und kennen sich dementsprechend gut. Das führt dazu, dass man an diesem Abend als Außenstehender auch den Eindruck hätte bekommen können, dass es sich um zehn Brüder handelt. Gar nicht mehr zurückhaltend werden übereinander Späße gemacht und der Professor schickt auch schon mal für die Studenten Nachrichten über deren Smartphones. Ein sehr schöner Abend und das schon an einem Mittwoch. Daher bleiben wir auch nicht allzu lange, zur Verabschiedung wird sich draußen vor dem Restaurant in einem Kreis aufgestellt und einmal in die Hände geklatscht.

Der Rest der Woche ist dann wieder schnell verbracht und die Pläne fürs nächste Wochenende auch schon gemacht. Am Samstagmorgen machen wir uns in einer kleinen Gruppe auf in die Innenstadt von Nagoya. Heute ist Nagoya Matsuri, das Stadtfest von Nagoya. Alles in allem unterscheidet sich dieses gar nicht allzu sehr von deutschen Stadtfesten. Auch hier liegt der Fokus auf dem Essen, es gibt an die hundert Stände, an denen japanisches Street-Food angeboten wird. Ich entscheide mich dazu, heute das erste Mal Okonomiyaki zu probieren. Grundzutaten sind stets Kohl, Mehl, Wasser, Ei und Daschi (Fischsud, der einen der Grundpfeiler der japanischen Küche bildet), was noch dazu kommt, variiert je nach Region und Geschmack, wie der Name „Okonomi-“ so viel wie „nach Belieben“ und „-yaki“ „gebraten“ auch wiederspiegelt. Alle Zutaten werden gut vermengt und dann gebraten. Definitiv zu empfehlen, jedoch sei auch gesagt, dass einige Zeit vor dem Verzehr noch gewartet werden muss, sofern man sich nicht den Mund verbrennen möchte. Höhepunkt im Festprogramm ist schließlich eine große Parade durch die Straßen der Innenstadt, sowohl mit japanischem Spielmannszug als auch mit Darstellern von historischen Soldaten und Feldherren sowie Fabelwesen des Shintoismus, der zweiten Religion in Japan neben dem Buddhismus. Ganz nett anzusehen, aber mit Paraden tue ich mich als Deutscher vielleicht immer noch etwas schwer. 

Am nächsten Tag mache ich dort kulinarisch weiter, wo ich am Mittwoch aufgehört habe. Shohei einer der Tutoren, der auch bei uns im Wohnheim wohnt, hat für alle Austauschstudenten und deren Tutoren ein japanisches BBQ organisiert. Dafür fahren wir in einen Park etwas außerhalb der Innenstadt, der auch etwas großflächiger angelegt ist. Das ist bei der erwarteten Teilnehmerzahl von gut 150 auch notwendig. In der strahlenden Mittagssonne können wir die verschiedenen Fleischsorten probieren, zu allen gehört immer auch eine spezielle pikante Grillsoße, die letztlich zum Großteil des angenehm würzigen Geschmacks beiträgt. Für Getränke ist ebenfalls wieder ausreichend gesorgt, sodass sich schnell die kulturellen und sprachlichen Barrieren überwinden lassen und ich auch mit den Japanern ins Gespräch komme. Als die Letzen schließlich anfangen nachhause zu gehen, setzt auch schon die Dämmerung ein, von mir aus hätten wir auch noch länger bleiben können.

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